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Leipziger Sammlungsinitiative (LSI)

Die Leipziger Sammlungsinitiative ist eine interdisziplinär arbeitende Projektgruppe aus den Bereichen Ägyptologie, Klassische Archäologie, Geschichte, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft und Ur- und Frühgeschichte. Sie konstituierte sich im November 2011 als StiL-Teilprojekt an der Fakultät für Geschichte, Kunst und Orientwissenschaften.

Das Projekt widmet sich den Sammlungen und Museen der Universität Leipzig und befasst sich insbesondere mit ihrer Rolle als Lehr- und Schausammlungen, als die sie größtenteils schon im 19. Jahrhundert angelegt wurden. Die Initiative zielt darauf ab, die wissenschaftliche und historische Relevanz der Bestände und ihren Wert für die akademische Lehre erneut in den Fokus zu rücken, um ihren Status als Lehrsammlungen dauerhaft zu stärken.

Die Aufgabe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es, die Sammlungen und Institute im Bereich der Geisteswissenschaften in ihren bisherigen Initiativen zu unterstützen und die weiterführende Integration der Sammlungsbestände in die Lehre zu gewährleisten. Im Zuge der intensiven fachübergreifenden Zusammenarbeit sind bereits zahlreiche innovative Lehrkonzepte entstanden und werden fortlaufend weiterentwickelt. Kennzeichnend ist hierbei stets die Arbeit mit den Objekten der Lehrsammlungen und der dadurch erzielte stärkere Praxisbezug im Studium, welcher letztlich mit einer gesteigerten Qualität der Lehre einhergeht.

Weitere Informationen zu Zielen, Ergebnissen und Perspektiven des Teilprojekts können dem Poster entnommen werden.

Teilnehmende Sammlungen:

Medien
WissenSchaf(f)tSammlungen (2016)
Videos, Audio, Zusatzmaterial
  • "Berufsbezogene Projekte machen unsere Studiengänge besser"

    Ein Rückblick auf die Ausstellungsreihe "Imaginäres Museum"

    Caroline Böhme und Jana Raffel, beide Mitarbeiterinnen des StiL-Teilprojektes Leipziger Sammlungsinitiative, sind die Köpfe hinter "Imaginäres Museum", einer Kooperation zwischen der Universität Leipzig und der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Im Interview berichten die Archäologin und die Ägyptologin über eine Idee und ihre Umsetzung und darüber, welche Stolpersteine es zu überwinden galt.

    Zwei Semester lang haben Künstler und Künstlerinnen der HGB und Uni-Studierende der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften zusammengearbeitet. Herausgekommen sind zwei außergewöhnliche Ausstellungen in der HGB im Dezember vergangenen Jahres und im Ägyptischen Museum im vergangenen April, denen die Artefakte und Reliquien aus den Sammlungen der Universität als Inspirationsquelle gedient haben. Ist eine solche Zusammenarbeit für Studierende ihrer Fakultät denn üblich?

    Böhme: Definitiv nicht. Ich habe während meines Studiums etwa nie die Möglichkeit gehabt, so etwas zu tun.

    Raffel: Wir wussten, dass die ganze Sache ein Experiment wird. Aber das Resultat zeigt, dass wir das gut hingekriegt haben.

     

    Wie lange hat es denn gedauert von der ersten Idee bis zur tatsächlichen Lehrveranstaltung?

    Böhme: Im April 2012 haben wir die Anfrage erstmals an Frau Prof. Maltzahn (Professorin für künstlerische Lehre) von der HGB gestellt. Dann haben wir uns die Sammlungen zusammen mit den HGB-Dozenten angeschaut. Die drei archäologischen Sammlungen fanden alle am besten geeignet. Danach haben wir das Konzept entwickelt und im Sommersemester 2013 haben die ersten Seminare begonnen. Die Künstler und Künstlerinnen haben sich von den Objekten der Sammlungen inspirieren lassen und haben ihre Ideen anschließend mit uns besprochen. Wir haben ihnen dann Informationen und studentische Ansprechpartner vermittelt, um Ihnen noch mehr Wissen zu den Objekten, zu der Lehrsammlungen zu vermitteln. Das künstlerische Schaffen haben dann die Studierenden der HGB übernommen.

     

    War es konzeptionell schwierig, zwei oder mehr Studiengänge zusammenzubringen?

    Böhme: Das war ein Problem, das uns durch das ganze Projekt hindurch begleitet hat. Es sind ja nicht nur zwei Studiengänge sondern sechs: Die Archäologie der Alten Welt, die Ägyptologie plus die vier Studiengänge bzw. Fachrichtungen der HGB, die allesamt beteiligt waren. Wir mussten also sechs Studienordnungen unter einen Hut bringen.

     

    Nicht allen Studierenden hat eine Teilnahme Kreditpunkte gebracht?

    Böhme: Leider nein. Nur für Studenten der Ägyptologie und für Studenten der Ur- und Frühgeschichte ist dieses Projekt anrechenbar. Für alle anderen geht es dabei wohl mehr um den Erfahrungsschatz. Für Studierende der alten Archäologie hat die Einpassung in die bestehenden Module leider nicht ganz gereicht. Das heißt, sie haben das eher als freies Praktikum absolviert und bekommen ihre Teilnahme bescheinigt.

     

    War es deshalb schwierig, genügend Teilnehmer zu mobilisieren, wenn die Studierenden von vornherein wissen, dass das Projekt für sie nicht anrechenbar sein wird?

    Böhme: Bei den Studenten die ich betreut habe, war das überhaupt kein Problem. Der Lerneffekt war für sie dabei völlig ausreichend. Auch der Arbeitsaufwand war den Studierenden dabei egal.

    Raffel: Das ist ja nichts, was man jedes Semester geboten bekommt. Deshalb gab es viele Freiwillige.

     

    Auf den beiden Ausstellungen waren Radierungen zu sehen, Zeichnungen und Gemälde, aber auch Plastiken, Videoinstallationen und sogar eine Kunstperformance, bei der eine HGB-Studentin live vor Zuschauern mumifiziert wurde. Hätten Sie erwartet, dass die Lehrsammlungen der Universität einem so breiten Kunstspektrum als Quelle dienen können?

    Böhme: Ich habe irgendwann damit aufgehört, irgendetwas Bestimmtes zu erwarten. Letztendlich ist es etwas ganz Tolles geworden. Das hat uns auch das Feedback der Besucher und unserer Kollegen gezeigt. Damit hätte keiner gerechnet.

    Raffel: Die Kunstwerke, die hier entstanden sind, waren so auf keinen Fall erwartbar. Ich dachte anfangs, dass die historischen Objekte irgendwie Modell stehen würden. Es ist aber deutlich mehr daraus geworden, als ein bloßes Abzeichnen. Mehr als ich mir am Anfang vorgestellt habe.

     

    War das ein einmaliger Modellversuch? Oder gibt es Pläne, so ein Projekt zu wiederholen?

    Raffel: Wir sind mit dem regulären Lehrbetrieb der LSI derzeit gut ausgelastet. Die kommenden, interdisziplinären Seminare, die die LSI innerhalb unserer Fakultät unter den verschiedenen Fachbereichen anbietet, sind bereits geplant. Das zurückliegende Projekt hat gut ein Jahr Vorbereitungszeit gebraucht. So langfristig können wir derzeit nicht planen.

     

    Was haben Sie aus Perspektive einer Lehrkraft bei diesem Projekt gelernt?

    Raffel: Alles hing an uns. Die gesamte Organisation und auch die Werbung für die Ausstellung. Das war der größte Unterschied zum regulären Lehrbetrieb.

    Böhme: Ich habe gelernt, dass Projekte mit vielen Partnern die Interessantesten sind, aber auch die kompliziertesten seien können. Unter den Künstlern und unseren Studierenden gab es viele Reibungspunkte. Aber das hat eben auch die interessantesten Ideen hervorgebracht.

     

    Wäre so ein Projekt ohne Drittmittel möglich gewesen?

    Böhme: Nein, weil die regulären Lehrkräfte unserer Meinung nach so etwas zusätzlich nicht stemmen könnten. Der gesamte Planungs- und Koordinationsaufwand wäre nebenbei wohl kaum zu bewältigen gewesen.

     

    StiL hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Qualität in Studium und Lehre an der Uni Leipzig zu verbessern. Würden Sie sagen, das ist in diesem Fall gelungen?

    Raffel: Wir wollten den Studierenden Berufspraxis und Kontakt mit den Lehrsammlungen der Universität Leipzig vermitteln. Und das haben wir definitiv geschafft. Eine Zusammenarbeit mit so vielen Partnern, einen kompletten Ausstellungsaufbau zu begleiten, das ist für die Studierenden sicher wertvoll gewesen.

    Böhme: Für die meisten unserer Studierenden war es das Interessanteste, ihr Bücherwissen praktisch anzuwenden und es den HGB-Künstlern zu vermitteln. Diese berufsbezogenen Projekte machen unsere Studiengänge sehr viel praxisorientierter und letztlich so auch besser.

    Text / Foto: Sebastian Münster